Rhein-Zeitung 22.09.2025
Düngenheim. Wenn man es schafft die nordische Waterkant in die Eifel zu verlagern und dazu noch einen Leuchtturm einzupflanzen, dann gehört man zum Theaterensemble Spielzeit. Deren spielfreudige Akteure präsentierten jetzt das Lustspiel „Barfuß im Schnee“ (Bernd Spehling), das eine zerstrittene Bande von drei Geschwistern wieder vereinen will.
Die sind auf Einladung ihres Vaters im “Leuchtfeuerdienstgehöft„ der Hallig Öderbrarup von Hein “Blöd„ Petersen (Gerhard Knauf) eingetroffen, der hier eine Art Kleinpension für Ruhesuchende betreibt. Nur bei Eiseskälte und Schneetreiben, brauchte er auf seiner tideabhängigen Hallig bis dato noch keinen Gast zu empfangen. Vom dumpfen Nebelhorn eines Schiffes empfangen, stranden hier die Brüder Robert (David Koch) mit Gattin Brigitte (Patrizia Klasen) und Freddy (Jan Senger) mit Freundin Angela (Ann-Katrin Schwall). Dazu gesellt sich die Schwester der beiden Langzeitstreithähne, Ulrike (Nicole Mohr), die sich als Fallschirmjägerin von einem anfliegenden Helikopter absetzen lässt.

Der ebenso eintreffende Andy Mc Hunter (Karl-Heinz Heckl), fernsehbekannter Familiencoach, wurde vom Erzeuger der Problem-Geschwister beauftragt, den Nachwuchs wieder zu einer friedlichen Koexistenz zu bewegen. Nach seinem Leitspruch “Ehrlichkeit, Toleranz und Respekt„, verspricht er das mit der selbstverliebten Arroganz eines C-Promis. Bei seinen aktuellen Schützlingen beißt er diesbezüglich allerdings auf Granit. Und da man aufgrund des Winterwetters die Hallig in absehbarer Zeit nicht verlassen kann, kommt es zu höchst amüsanten Szenen beim Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Charaktere.

Mit dazu bei trägt auch Svetlana Nukova (Karin Schüller), russische Geliebte des verheirateten Andy Mc Hunter, die dem Familiencoach im Leopardenoutfit heimlich nachgereist ist. Als “Best Ager Model„ entpuppt sie sich als Cougar und nimmt sich den grammatikbesessenen Lehramtsinhaber und Klugscheißer Robert heftig zur Brust. Dass man beim gemeinsamen Barfußlaufen im Schnee nicht unbedingt zu einer intakten Familie zurückfindet, steht schnell fest.
Auch mit der böswilligen Entsorgung der Handy-Akkus von den Mitgliedern der Hallig-Selbsthilfegruppe, hat sich Mc Hunter keinen Gefallen getan. Denn jetzt richtet sich, nachdem seine Liaison mit Svetlana offenkundig wird, jeder und alles gegen ihn.

Während Fallschirmjägerin Ulrike die gesamte Sippschaft per Hubschrauber evakuieren will, hat Hein mittlerweile den Umgang mit dem Handy gelernt, ein kompromittierendes Foto von Mc Hunter im Frauenclinch geschossen und danach ins Netz gestellt. Das ruft in der Folge eine Horde Klatschreporter auf den Plan, die seine TV-Karriere versauen wollen. Die liebevolle Rettung naht durch Svetlana.
Das Stück lebt neben Gerhard Knaufs herrlich flötender “Fischkoppmundart„ von den zahlreichen amüsanten Dialogen und Monologen, die hin und wieder die Gürtellinie tangieren, aber stets sauber bleiben. Bester Spruch: “Besser Speck auf den Rippen als Magersucht im Gehirn!“
