Geburtstagschaos mit Überraschungseffekt

Rhein-Zeitung 23.08.2024

Theaterverein Spielzeit Düngenheim bringt im September die Komödie „50 – und alle spielen verrückt“ auf die Bphne

Düngenheim. Emil hat Geburstag. Einen runden sogar: Er wird 50 Jahre alt. Doch ausgerechnet an diesem Tag wird er entlassen. Seine Frau plant eine Überraschungsparty für ihn. Das Chaos nimmt seinen Lauf, bei dem auch noch die Mafia ins Spiel kommt. Und das in Düngenheim – zwar nciht im echten Leben, dafür aber auf der Theaterbühne. Noch etwa einen Monat dauert es, bis der Theaterverein die Komödie „50 – und alle spielen verrückt“ zeigt.

In der Gemeindehalle ist für den Probeabend bedarfsweise eine Kulisse aus Tischen und Stühlen aufgebaut. Der Rest ist der Fantasie überlassen. Für die Darsteller kein Problem: Hier und da drückt noch der Schuh, mal vergisst ein Darsteller seinen Text, mal den Einsatz, aber kaum beginnt die Probe, vergisst jeder für die nächsten Stunden, wer er eigentlich ist und schlüpft in seine oder ihre Rolle.

Dass das von Anfang an so ist, mag auch an dem Spiel liegen, mit dem die Probe startet. reihum bekommt jeder Darsteller einen Satz und eine zugeteilte Emotion und muss diesen Satz aus der Sicht seiner Rolle schauspielern. So entstehen Interpretationen eines Betrunkenen „Heute gab es nur Wasser zum Trinken!“ oder „Das ist ja köstlich“ mit einem Anflug von Ekel, und bei wutentbrannten Ausrufen wie „Das lass ich mir nicht gefallen! wird auch auch mal gebrüllt.

Manch eine tritt dabei in die Rolle einer Polizistin, die sonst gar nicht spielt, an diesem Tag aber ausnahmsweise schon. Woran das liegt? „Gerade ist Urlaubszeit, nicht alle können an den Proben teilnehmen. Darum müssen manche Rollen als Stimme aus dem Off gesprochen werden“, erklärt Gerhard Kaiser, der selbst normalerweise die Regie bei den Theaterstücken des Düngenheimer Vereins führt. Diesmal ist er als Schauspieler beteiligt, die Regie hat er an seinen früheren Regieassistenten Fabian Heidger übergeben.

Die Proben beim Theaterverein Düngenheim sind im vollen Gange: Ende September führt die Gruppe das Stück „50 – und alle spielen verrückt“ in der Gemeindehalle auf. Seit April probt die Gruppe, damit bis zur Aufführung jeder Satz und Schritt sitzt.
Die Proben beim Theaterverein Düngenheim sind im vollen Gange: Ende September führt die Gruppe das Stück „50 – und alle spielen verrückt“ in der Gemeindehalle auf. Seit April probt die Gruppe, damit bis zur Aufführung jeder Satz und Schritt sitzt.

Dieser sitzt mit Luchsaugen an seinem Tisch und beobachtet die Proben, die seit April laufen, macht sich Notizen, wann immer ihm etwas auffällt. In der Pause zwischen den beiden Akten wird dann diskutiert: Paul könnte seine Pillendose schütteln, damit das Publikum auch in der hintersten Riehe mitbekommt, was in dem kleinen, weißen Gefäß sein könnte. Was könnte Johanna Müller in der Rolle der Svetlana machen, damit ihr Character noch authentischer rüberkommt? Sie streitet vehement ab, dass Svetlana sich am Tisch die Nägel feilen würde: „Aber ich kann meinen Lippenstift nachziehen und mich pudern, das passt.“

Auch, wenn jeder mit dem Moment, wo der zweite Akt aufgenommen wird, wieder in seiner Rolle steckt, ist für die Darsteller und Regie deutlich, wie wichtig das Bühnenbild und die Requisiten eigentlich sind. Manch einer vergisst, sein Weinglas mitzunehmen, an anderer Stelle herrscht Verwirrung, wo denn nun der Stuhl abgeblieben ist, der eigentlich hier stehen sollte. Und plötzlich ertönt ein Klirren – Scherben: Gleich drei Sektgläser gehen kaputt. „Beim nächsten Mal bringen wir Plastikbecher mit“, kommentiert Heidger. Patzer gehören eben dazu.

Wie vom Düngenheimer Theaterverein gewohnt, spielt der Dialekt eine große Rolle. Doch lange nicht alle Charaktere sprechen im Düngenheimer Dialekt: Rudolfo der Folterer hat zum Beispiel einen italienischen Dialekt, Emil und seine Frau Julia sprechen Hochdeutsch. Kaiser erklärt: „Die Brenners, also die Protagonisten, sind zugezogen, deswegen sprechen sie keinen Dialekt. Andere Charactere, wie die Bäuerinnen aus dem Dorf, sprechen dagegen Platt.“ Immer wieder taucht im Stück, das eigentlich von einem Schweizer geschrieben wurde, die Region auf: „Die gießen uns Beton an die Füße und schmeißen und in die Eltz“, heißt es an einer Stelle.

Was die Mafia damit zu tun hat? Das können sich interessierte bei den Aufführungen selbst ansehen, vom 20. bis 22. September in der Gemeindehalle Düngenheim. Tickets gibt es während des Feuerwehrfests am 24. und 25. August, per Whatsapp unter 0177 7452042 oder online unter www.spielzeit-duengenheim.de

Bericht: Annika Wilhelm - Foto: Annika Wilhelm